Zu Gast beim Sieger

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Der Preis „Berliner Unternehmen für soziale Menschenrechte und Partizipation“ ging 2012 auf Vorschlag von Ver.di an die Neuköllner Firma Amcor Tobacco Packaging Berlin GmbH. Im Gespräch mit dem Geschäftsführer Herrn Missel und dem Betriebsratsvorsitzenden Herrn Thiele konnte ich erfahren, dass Bezahlung nach Tarif, feste Arbeitszeiten und das Verzichten auf Leiharbeit ausschlaggebend für diese Auszeichnung waren.

Beim Gang durch die Produktionsstätten wurden mir die Abläufe erklärt, die zur Herstellung mehrerer Millionen Zigarettenschachteln täglich benötigt werden. Die guten Arbeitsbedingungen, die die Beschäftigten bei Amcor vorfinden, sollten für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland und Europa Standard sein!

Amcor Berlin ist ein Zulieferer der Tabakindustrie – eine Branche, die von Natur aus mit dem Verbraucher- und Gesundheitsschutz im Konflikt steht. Durch eine geplante EU-Richtlinie wird es, wie Geschäftsführer Missel heute darlegte, noch komplizierter. Die Warnhinweise und sonstigen Pflichtaufdrucke sollen in Zukunft 85 % der Verpackungsfläche in Anspruch nehmen. Auf den restlichen 15 % wäre es aber – so Herr Missel – fast unmöglich, die Verpackung anspruchsvoll individuell zu gestalten. Die Folge: Es werde leichter, Zigarettenschachteln für den Schmuggel zu fälschen. Mehr Zigaretten aus billigem, verunreinigtem und mit Abfall versetztem Tabak könnten eingeführt werden. So würde Verbraucherschutz sich selbst widersprechen: Zigaretten würden durch hässliche Verpackung mit abschreckendem Aufdruck noch unattraktiver für die Verbraucher als bisher. Zugleich würden sie aber auch gefährlicher für die Süchtigen. Ich bin gespannt, wie sich diese Fachdebatte – die, wie die meisten, natürlich auch mit wirtschaftlichen Interessen zu tun hat – weiter entwickelt.