27. Januar – Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

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Vor 70 Jahren, am 27. Januar 1944, befreite die Rote Armee das von der Wehrmacht drei Jahre lang blockierte Leningrad, das heutige Sankt Petersburg. Auf den Tag genau ein Jahr später, am 27. Januar 1945, wurde auch das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit.

Der gestrige Tag war deshalb dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gewidmet, auch im Deutschen Bundestag. Nach der Begrüßung und Eröffnung der Gedenkstunde durch den Bundestagspräsidenten Norbert Lammert hielt der russische Schriftsteller Daniil Granin eine bewegende Rede.

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2014.

Er wuchs im heutigen Sankt Petersburg auf und überlebte die dreijährige Blockade seiner Heimatstadt. In seiner Rede beschrieb er seine Erfahrungen aus dem Krieg und die katastrophalen Lebensumstände in Leningrad. Nach Ende der Besatzungszeit half Daniil Granin bei der Aufarbeitung der Geschichte seiner Stadt im Zweiten Weltkrieg. Er verband dabei seine eigenen Erfahrungen mit denen von anderen Zeitzeugen und schrieb diese in Büchern wie dem ‚Blockadebuch‘ oder ‚Chronik der Belagerung Leningrads‘ nieder. Musikalisch wurde die Gedenkstunde vom Meccorre String Quartet aus Polen begleitet.

Am Nachmittag lud außerdem der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) in Zusammenarbeit mit der „Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ zur Kranzniederlegung am Denkmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus ein. Ich war zusammen mit Barbara Loth als Vertreter der Berliner SPD vor Ort. Dabei war es für mich eine Selbstverständlichkeit, zusammen mit Cansel Kiziltepe (Kreuzberg-Friedrichshain) auch an der Niederlegung eines Blumenkranzes der SPD Bundestagsfraktion mitzuwirken.

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Ulrich Keßler, Vorstandsmitglied des LSVD, erinnert in seiner Rede an die über 100.000 homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus. Bis 1945 wurden 50.000 von ihnen verurteilt und ca. 10.000 in Konzentrationslager verschleppt. Selbst nach 1945 wurden homosexuelle Menschen aufgrund der Paragraphen 175 und 175a verfolgt und verurteilt.

Bis heute hat keine Rehabilitierung der Opfer nach 1945 stattgefunden. Keßler macht deutlich: „Es ist unsere Pflicht, die verfolgten und ermordeten Opfer zu ehren. Zugleich müssen wir auch in der Gegenwart wirken und ein beständiges Zeichen gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Lesben, Schwulen und Trans-gender setzen.“

Bewegende Geschichten und Eindrücke, die nachdenklich machen und nicht in Vergessenheit geraten dürfen. 

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