14. bis 16. Mai 2014 Afghanistan Reiserückblick 1: Der Wiederaufbau braucht noch Unterstützung

Am Abend des 15. Mai hatte die Delegation aus dem Verteidigungsausschuss Gelegenheit zu einem Gespräch mit insgesamt sechs Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft von Masar-e Scharif. Im Dialog mit dem höchsten gewählten Vertreter der Bevölkerung im Regierungsbezirk Balkh, einer regionalen Abgeordneten im nationalen Jugendparlament, einem Unternehmer in fortgeschrittenem Alter, der sich für den Wiederaufbau des Teppichknüpfer-Handwerks engagiert, einer Professorin der Universität von Masar, einem ehemaligen Mudschaheddin und einem Unternehmer und Jugendsport-Aktivisten aus Masar zeichnete sich für uns ein Bild von den Meinungen und den Anliegen der Zivilgesellschaft in der Region.

Die wichtigste gemeinsame Botschaft: Die gesellschaftlichen Kräfte, die den Aufbau einer friedlichen Gesellschaft vorantreiben, wünschen sich, dass der Übergang auch nach Beendigung des ISAF-Mandats weiterhin von der Bundeswehr und der deutschen Entwicklungshilfe begleitet wird. Das ergibt auch guten Sinn: Denn einerseits haben die Präsidentschaftswahlen gezeigt, dass der Terror der Taliban inzwischen nur noch von einem bei weitem nicht mehrheitsfähigen, extremistischen oder auch einfach nur kriminellen Rand der Gesellschaft getragen wird. Andererseits hat der Wiederaufbau noch keine nachhaltige Basis in einem funktionierenden Staatswesen, das aus eigener Kraft Sicherheit und Ordnung gewährleisten kann. Vor allem die afghanischen Sicherheitskräfte werden deshalb noch eine ganze Weile Beratung und Ausbildungshilfe brauchen. Alle sechs waren sich daher auch sicher, dass der neue Präsident das Sicherheitsabkommen mit den USA, das zurzeit noch auf Eis liegt, unterzeichnen werde.

Mich hat das Gespräch ermutigt. Dabei war es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass es für Hilfe aus Deutschland neben dem Sicherheitsabkommen eine zweite wichtige Voraussetzung gibt: das klare Signal, dass die Menschen diese Hilfe auch wirklich haben wollen. Ohne eine Einladung der afghanischen Regierung und die Unterstützung durch die Menschen vor Ort hätte vor allem die geplante Folgemission zur Beratung und Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte keinen Sinn. Wenn diese Einladung kommt, sollten wir allerdings wirklich weiter mithelfen, damit Afghanistan sich friedlich entwickeln kann und nicht wieder in den alten, auch für weit entfernte Länder gefährlichen Radikalismus zurückfällt.