Verleihung der Neuköllner Ehrennadel

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© Joschka Langenbrinck

Heute war ich bei der Verleihung der Neuköllner Ehrennadel durch Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin. Geehrt wurden im Schloss Britz folgende sechs Neuköllner Bürgerinnen und Bürger: Anja Chrzanowski, Julia Pankratyeva, René M. Broeders, Christian Hörr, Klaus Lehnert und René Schmücker.
Bei der Neuköllner Ehrennadel handelt es sich um die höchste Auszeichnung des Bezirks an Bürgerinnen und Bürger, die sich um den Bezirk Neukölln verdient gemacht haben. Die Auszeichnung wird nur an Bürger außerhalb des politischen Bereichs verliehen. In den Gesichtern war zu erkennen: Ehrenamt macht glücklich!

Das Bezirksamt Neukölln hat die Verdienste und das vorbildliche Engagement der Geehrten vorgestellt:

René M. Broeders
Als künstlerischer Leiter des Musiktheaterprojekts „BeVoice“ ist der Holländer René M. Broeders mit seinem erfahrenen Dozententeam und den besten Nachwuchsschülern eines renommierten Rotterdamer Musikgymnasiums bereits seit vier Jahren zu Gast auf dem Gutshof Britz. Hier organisiert er in Zusammenarbeit mit der Neuköllner Musikschule die Begegnung von etwa 100 Jugendlichen aus Neukölln und Rotterdam zum gemeinsamen Arbeiten an einem Musik- und Tanztheaterprojekt. Das Besondere daran: Die Schülerinnen und Schüler aus jeweils einer anderen Neuköllner Oberschule haben keinerlei Bühnenerfahrung. Innerhalb einer sehr intensiven fünftägigen Work-shopwoche machen sie unvergessliche Erfahrungen, wie man sich einem komplexen wissenschaftlichen Thema künstlerisch nähert. Nachdem die Jugendlichen in den vergangenen Jahren in die Mathematik (Fibonacci-Zahlen), die Physik (Spannung) und die Biologie (Bienen) eingestiegen sind, stand in diesem Jahr das Fach Chemie mit dem Thema „Oxidation“ auf dem Programm. René M. Broeders hat mit „BeVoice“ eine künstlerische Reihe geschaffen, die jedes Jahr aufs neue die Kreativität der Jugendli-chen auf besondere Art und Weise fördert, den Zusammenhalt durch Teamwork zwischen den Schülern nachhaltig stärkt und zu erstaunlich professionellen Ergebnissen führt. Sie werden von „Nobodies“ zu Künstlerinnen und Künstlern, die uns etwas zu sagen haben, die singen, tanzen und musizieren. Was die Jugendlichen in dieser Woche lernen und an persönlichen Erfahrungen mitnehmen, formt sie für ihr zukünftiges Leben und ist in keiner herkömmlichen Unterrichtsstunde vermittelbar.

Anja Chrzanowski
Anja Chrzanowski gründete vor 7 Jahren einen Literaturclub an der Liebig-Schule. Was die Deutschlehrerin damals veranlasste, ist auch heute noch Realität. Ein Großteil der Schüler kommt aus einem schwierigen Umfeld, die Beherrschung der deutschen Sprache ist keine Selbstverständlichkeit und mit den Schulnoten steht es meist nicht zum Besten. Was Frau Chrzanowski mit ihrem knapp 40 Mitglieder aus 10 verschiedenen Nationalitäten umfassenden Literaturclub erreicht hat, ist schon ein Bravourstück. Schülerinnen und Schüler, die vielfach als hoffnungslose Fälle galten, sind heute be-geisterte Leserinnen und Leser. Sie veranstalten eigene Lesungen mit Schriftstellern und Politikern. Das seit 2010 bestehende Theaterprojekt hat mit „Effi Briest“ von Theodor-Fontane und der Neuinszenierung des Shakespeare-Klassikers „No Romeo Nix Julia“ bereits zwei große Erfolge auf der Bühne gefeiert. Der Literaturclub ist mehrfa-cher Preissieger. So gewann er u.a. den Deutschen Vorlesepreis der Stiftung Lesen, wurde Landessieger im Harry-Potter-Wettstreit und erhielt den Bürgerpreis der Dr. Gar-lichs-Stiftung sowie zuletzt den mit 1000,- € dotierten Preis des dm-Drogeriemarktes im Rahmen der Initiative „HelferHerzen“. Es braucht solche engagierten und idealistischen Lehrerinnen und Lehrer, wie Frau Chrzanowski eine ist, dann klappt es auch mit der Bildung in Neukölln.

Christian Hörr
Der Sozialpädagoge vom Nachbarschaftsheim Neukölln ist der Geburtshelfer des Pro-jekts „Peer Helper“, das vor drei Jahren aus der Idee entstanden ist, dass Kinder und Jugendliche eher von Gleichaltrigen als von Älteren etwas annehmen. 12 Mädchen und Jungen unterschiedlicher Nationalitäten engagieren sich ehrenamtlich im Körner-kiez, indem sie benachteiligten Kindern und Jugendlichen Freizeitangebote anbieten, Nachhilfe geben und als großer Bruder oder große Schwester für ein friedliches Mit-einander im Kiez sorgen. Von Festen über Tanz- und Boxworkshops bis hin zu Fuß-ballturnieren planen und organisieren die Peer Helper alles selbst und unterstützen mittlerweile bis zu 80 Kinder in der Woche. Das Projekt „Peer Helper“ gehört zu den 10 Siegerprojekten des diesjährigen bundesweiten Wettbewerbs „Jugend hilft“ der Stiftung „Children for a better World Foundation“. Die Peer Helper genießen hohen Respekt bei den Jugendlichen im Körnerkiez. Mit ihrem Wirken haben sie einen maßgeblichen Beitrag geleistet, dass die Jugend- und Bandenkriminalität in ihrem Kiez deutlich zurück-gegangen ist. Unter der Leitung von Herrn Hörr hat sich dieses Jugendprojekt zu ei-nem anerkannten Aushängeschild Neuköllns und zu einer Erfolgsstory der ganz besonderen Art entwickelt.

Klaus Lehnert
Klaus Lehnert, der pensionierte Direktor des renommierten Neuköllner Albert-Einstein-Gymnasiums ist ein Mann der Sternstunde des Modellprojekts Campus Rütli. Als pä-dagogischer Projektleiter ist es ihm gelungen, eine Problemschule zu einer erfolgrei-chen Bildungseinrichtung zu entwickeln, die das Kernstück des Campus bildet. Heute entsteht hier unter der Schirmherrschaft von Christiana Rau ein Lebensraum mit ganz-heitlichem Bildungs- und Sozialisationsansatz, in dem Integration durch Bildung gelingt und vorhandene Potenziale erschlossen werden können. Gemeinsam sind Frau Rau und Herr Lehnhart über viele Jahre Seite an Seite für die Umsetzung der Idee eingetre-ten und haben damit gezeigt, dass es auch in einem schwierigen sozialen Umfeld möglich ist, die Voraussetzungen für gute Bildungsabschlüsse zu schaffen. Mit viel Erfahrungswissen, pädagogischem Geschick, großem Herzblut sowie einer gehörigen Portion Diplomatie hat es der ehemalige pädagogische Projektleiter vermocht, die Partner auf die gemeinsame Strategie dieses Prozesses einzuschwören. Ihm ist es mit zu verdanken, dass Campus Rütli für ein gutes Beispiel gelungener Integration im Be-zirk Neukölln steht und inzwischen auch bundesweit hohe Anerkennung findet.

Julia Pankratyeva
Frau Pankratyeva ist die Leiterin des Vereins „ImPuls e.V.“, der sich für einen Aus-tausch zwischen den Kulturen und Generationen in der Gropiusstadt einsetzt und hier-zu zahlreiche Projekte, Sprach- und Integrationskurse sowie vielfältige Angebote für Kinder und Jugendliche entwickelt hat. So z.B. auch das viel beachtete „MannOMann“ Projekt, das sich speziell an Männer aus Aussiedlerfamilien richtete, die wegen ihrer fehlenden Sprachkenntnisse und ungenügenden beruflichen Qualifikationen Schwie-rigkeiten hatten, in Deutschland wirklich anzukommen. Ein weiteres Erfolgsprojekt stellt der „Interkulturelle Treffpunkt im Gemeinschaftshaus“ dar, den Julia Pankratyeva zu einem anerkannten Zentrum für Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten in der Gropiusstadt etabliert hat. Was in den 90er Jahren mit einer kleinen Gruppenstun-de für Russlanddeutsche begann, ist heute eine quirlige Begegnungsstätte. Hier kann man sich treffen, an Konversationskursen, Kreativen Workshops oder Ausflügen teil-nehmen, im internationalen Chor singen, das Spielen von Musikinstrumenten erlernen, gemeinsam kochen und die internationale Küche genießen oder an zahlreichen Kultur-veranstaltungen mit Künstlern aus aller Welt teilnehmen. „Julia“, wie alle sie nennen, ist das Herz und der Motor dieses lebendigen Zentrums. Es braucht Leuchttürme wie sie einer ist in Neukölln.

René Schmücker
René Schmücker trat bereits mit 13 Jahren der Jugendfeuerwehr Rudow bei. Heute ist er hauptberuflich als Hauptbrandmeister beim Technischen Dienst der Berliner Feuerwehr tätig. Hier hat er mit den ganz großen Einsätzen zu tun. „Nebenamtlich“ ist er seit 2001 der verantwortliche Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Rudow, die aus 34 Männern und Frauen mit Einsatzbereitschaft rund um die Uhr besteht und außerdem eine 12-köpfige Jungendfeuerwehr hat. Herrn Schmücker ist es zu verdanken, dass die Freiwillige Feuerwehrwache in Rudow einen der letzten Rettungstransportwagen (RTW II) in Berlin besitzt und dadurch die medizinische Versorgung im Süden Neuköllns si-cherstellt. Eine seltene, jedoch unverzichtbare Aufgabe der Freiwilligen Feuerwehren Berlins stellt der Katastrophenschutz dar. Spektakulär bekannt geworden sind die überörtlichen Einsätze der Rudower Feuerwehrleute im Hochwassergebiet Oder und an der Elbe. Der Feuerwehrdienst ist für René Schmücker nicht nur sein Beruf sondern seine „Bestimmung“, wenn es darum geht, Leben, Gesundheit und Eigentum der Mitbürgerinnen und Mitbürger zu schützen. Sein ausgesprochen uneigennütziger und selbstloser Einsatz seit nunmehr 35 Jahren zeugt von einem enormen Gemeinschafts-sinn, von Idealismus und Mut zur Verantwortung.

http://www.berlin.de/ba-neukoelln/presse/archiv/20141210.1040.400568.html

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