Drei Wochen bei der Bundeswehr

IMG_0216Im Februar und in der zweiten Märzwoche habe ich bei der Bundeswehr meine erste Reserveübung seit zwanzig Jahren abgeleistet. Es ging mir darum, als Mitglied des Verteidigungsausschusses einen unmittelbaren Zugang zur Bundeswehr in ihrem heutigen Zustand und vor allem zur Stimmung in der Truppe zu finden. Wenn ich als Abgeordneter schwierige Entscheidungen fällen muss, möchte ich ein Gespür dafür haben, wie das bei den Betroffenen ankommt. Deshalb wollte ich wieder einmal den Alltag in der Armee erleben und hören, worüber sich Soldatinnen und Soldaten im Dienst unterhalten, beim Essen oder beim Feierabendbier. Bei Einzelterminen kriegt man davon für meine Begriffe zu wenig mit.

 Die Reserveübung hat meine Erwartungen voll erfüllt. Eingesetzt war ich als Lageoffizier in der Operationszentrale der Einsatz-Abteilung beim Kommando Territoriale Aufgaben – also dort, wo die Zusammenarbeit von zivilen Behörden mit der Bundeswehr im Katastrophenfall gesteuert wird. Als Politiker fand ich dabei nicht nur die Abläufe spannend. Wichtig war mir auch, wie bei der zivil-militärischen Zusammenarbeit auf die strikte Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben geachtet wird – denn ein Einsatz der Bundeswehr im Inland ist nach dem Grundgesetz nur bei Katastrophen und auch da nur subsidiär zulässig – also dann, wenn zivile Behörden Bundeswehr-Unterstützung anfordern, weil sie die Folgen der Katastrophe alleine nicht bewältigen können.

Im Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten wurde mir noch einmal sehr deutlich, wie komplex die Aufgabe ist, die Bundeswehr als moderne und attraktive Freiwilligenarmee aufzubauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Dienst, vor allem dadurch, dass sie nicht immer wieder an weit entfernte Standorte versetzt werden, ist vielen besonders wichtig. Nicht weniger bedeutend ist aber auch der gute Zustand von Gebäuden, Waffen und Gerät und eine funktionsfähige Vollausstattung. Und schließlich bin ich mehrfach darauf angesprochen worden, wie viel Wert die meisten darauf legen, dass der Öffentlichkeit das Besondere des Soldatenberufs bewusst wird – dass die Bundeswehr eben nicht einfach nur ein Zweig des öffentlichen Dienstes ist, sondern dass dort Menschen tätig sind, die kämpfen lernen und, wenn nötig, ihr Leben riskieren, um ihren öffentlichen Auftrag zu erfüllen.

Mein persönliches Fazit: Es hat sich gelohnt, diese Zeit zu investieren. Ich habe viel dazugelernt, das mir helfen kann, im Bundestag bessere Entscheidungen zu fällen.