Stolperstein-Verlegungen in der Geygerstraße

Heute Mittag habe ich zwei Stolperstein-Verlegungen in Neukölln beigewohnt. In der Geygerstraße 8 wohnte Alice Geusch und in der Geygerstraße 15 wohnten Edith Wiener, Deborah Wiener (geb. Heymans) sowie Hedwig Heymans.

Alice Geusch wurde als Alice Davidsohn 1990 in Treptow an der Tollense, heute Altentreptow, geboren. Die Familie Davidsohn besaß dort eine Manufaktur-und Modewarenhandlung. Wie an historischen Adressbüchern nachzuforschen war, zog Alice Geusch Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neukölln, heiratete, verwitwete und bewohnte zuletzt eine Wohnung in der Geygerstraße 15. Obwohl Alice Geusch 1936 aus der jüdischen Gemeinde austrat, bewahrte dieser Schritt sie nicht sie vor der Verfolgung – laut Nachforschung musste sie dennoch nach der, den jüdischen Mitmenschen aufgezwungenen Rassenideologie der Nazis ab 1942 zwangsweise wieder Mitglied der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland sein. Am 12. 3. 1942 wurde sie im Alter von 58 Jahren deportiert und in Auschwitz ermordet.

Deborah Wiener, geborene Heymans, aus Krefeld gehörte zu den ersten Bewohnern der damals gerade errichteten Häuser in der Geygerstraße 8. Aus Zeitläuften in alten Berliner Adressbüchern kann man ersehen, dass der Kaufmann H. Wiener scheinbar kurz nach dem Umzug verstarb und Deborah Wiener als Familienvorstand mit ihrer Tochter Edith zurückblieb. Im Jahr 1939 flüchteten Deborah und Edith Wiener nach Amsterdam, um sich zu retten. 1941 kam es in Amsterdam zu heftigen Protesten gegen die deutsche Besatzungsmacht. Unmittelbar danach wurden viele jüdische Bürger, insbesondere geflüchtete Juden aus Deutschland und Österreich, verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von hier aus wurde Deborah Wiener 1941 nach Theresienstadt deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet.

Edith Wiener lebte bis zur Flucht nach Amsterdam mit ihrer Mutter in der Geygerstraße 8 in Berlin-Neukölln. Wie auch ihre Mutter, wurde Edith im Februar 1941 von der deutschen Besatzungsmacht im Lager Westerbork interniert und von dort aus in das Todeslager Auschwitz-Monowitz deportiert. Monowitz gehörte zum Gelände der BUNA-Werke der I.G. Farben. Edith Wiener wurde dort im Alter von 36 Jahren ermordet.

Hedwig Heymans wurde wie ihre Schwester Deborah Wiener-Heymans in Krefeld geboren, und lebte anfangs des 20. Jahrhunderts in Berlin. Alten Unterlagen und Adressbüchern zufolge zuallererst im heutigen Rudow, später dann wohnte sie in der Adalbertstraße 7 in Kreuzberg als Konfektionärin für Damenmäntel. Noch vor der Machtübernahme der Nazis verliert sich die Spur einer eigenen zivilen Adresse. Mutmaßlich lebte sie zwischenzeitlich mit ihrer Schwester, später dann im Altenheim Schönhauser Allee, der Versorgungsanstalt von Moritz Manheimer. Hedwig Heymans Name tauchte erst wieder in den Deportationslisten am 19. September 1942 auf, der sogenannten „Altentransportliste“ mit der Adresse Schönhauser Allee 22 nach Theresienstadt. Da die sogenannten Sammellager zum Transport in die Vernichtungslager keiner zivilen Adresse darstellen, liegt der Stolperstein für Hedwig Heymans neben dem ihrer Schwester Deborah und der Nichte Edith. Auf diesem Weg wird auch sie nicht vergessen.

Der Berliner Rabbiner Walter Rothschild hat den Kaddish gesprochen. Hier ein kleiner Auszug:

Höher sein als jeder Segen und Gesang, Lob und Trost, das je in der Welt gesagt wurde.
עושה שלום במרומיו- ( Ose shalom bimromav Hu yaase shalom aleynu Ve al kol yisrael Ve’imru Amen )

Vielen Dank an die Anwohnerin Frau Prabhu für die Organisation und Einladung!
Gedenken bleibt wichtig und die Stolpersteine leisten dazu einen bedeutenden Beitrag im Alltag.