09. Juni 2016 Moskau: 10-jähriges Jubiläum des Koordinierungsbüros für den deutsch-russischen Jugendaustausch

Mitte Juni ging es für mich nach Russland. Anlass der Reise war ein freudiger: Das zehnjährige Bestehen des Koordinierungsbüros für den deutsch-russischen Jugendaustausch und die Eröffnung des deutsch-russischen Jahres des Jugendaustauschs. Als zuständiger Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion für das Thema „Jugendaustausch“ im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe ich daher gern an den Feierlichkeiten in Moskau teilgenommen.

Während vormittags die Arbeit des Koordinierungsbüros gewürdigt und zelebriert wurde, folgte am Nachmittag die feierliche Eröffnung des deutsch-russischen Austauschjahres durch eine glanzvolle Bühnengala. In ihren Grußworten am Vormittag betonten sowohl die deutschen als auch die russischen Vertreter, welche großen Fortschritte für den deutsch-russischen Jugendaustausch die Arbeit des Koordinierungsbüros mit sich gebracht hat.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden zum einen die Erfolge und die besondere Bedeutung des Jugendaustausches beleuchtet. Zum anderen gingen die deutschen und russischen Gesprächsteilnehmer im Verlaufe der Diskussion aber auch auf derzeit bestehende Probleme und wesentliche Hindernisse ein: So hätten Eltern z.B. zunehmend Bedenken, ihre Kinder den gesellschaftlichen Bedingungen des Partnerlandes auszusetzen. Während von russischen Eltern vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise eine große Unsicherheit in Deutschland wahrgenommen werde, zeigten sich deutsche Eltern durch die Ukraine-Krise und durch nationalistische Tendenzen innerhalb Russlands besorgt. Zudem seien für die russischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgrund des Werteverfalls der russischen Währung die Kosten für Visagebühren erheblich gestiegen. Grundsätzlich sei das Ausstellen von Einreiseerlaubnissen seit der Einführung von biometrischen Schengen-Visa schwieriger und zeitaufwendiger geworden. Gerade für russische Jugendliche aus dem ländlichen Raum, die an einem Austausch interessiert sind, ist die folglich zwingend notwendige Anreise zum nächsten Konsulat zu einer schier unüberwindbaren Hürde geworden. Letztlich hätten die umrissenen Probleme im vergangenen Jahr einen Rückgang des Jugendaustauschs um etwa ein Drittel bewirkt.

Im Rahmen der anschließenden Bühnengala kündigte der deutsche Staatssekretär Ralf Kleindiek aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an, sich künftig für Erleichterungen bei den Visagebühren und die Erteilung nicht-biometrischer Gruppenvisa einsetzen zu wollen und erntete damit den Applaus der zu Hundert teilnehmenden Jugendlichen. Für mich machte der insgesamt schillernde Rahmen der Veranstaltung deutlich, welch hohen Stellenwert die russische Seite dem Jugendaustausch mit Deutschland beimisst.

Gerade in Zeiten wachsender politischer Entfremdung kann der deutsch-russische Jugendaustausch einen wichtigen Beitrag zu einem besseren gegenseitigen Verständnis leisten und Vertrauen schaffen. Die Erleichterung der Visumserteilung von deutscher Seite, beispielsweise durch eine Absenkung der formalen Verwaltungsanforderungen, aber auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den seit Jahrzehnten bewährten gemeinnützigen Trägern des internationalen Jugendaustauschs scheinen mir daher genau der richtige Weg.