30. Oktober bis 03. November 2016 Israel und Westjordanland

Ende Oktober trat ich meine letzte Auslandsreise vor den Bundestagswahlen 2017 nach Israel und in das Westjordanland an, die mir besonders am Herzen lag. In meinen Diskussionen an Schulen oder mit Schülerinnen und Schülern im Bundestag spielt der Nahost-Konflikt oft eine große Rolle, auch weil wir so viele Einwanderer aus der Region in Neukölln haben. Deshalb habe ich es schon lange als schmerzliche Kenntnislücke empfunden, dass ich noch nie in Israel und im Westjordanland war und mir bisher keinen eigenen Eindruck machen konnte. Um das zu ändern, ging es für vier Tage dorthin. Bei meinen Besuchen und Gesprächen legte ich als Mitglied im Verteidigungsausschuss einen besonderen Schwerpunkt auf die Sicherheitspolitik. Meine Reiselektüre war: „My promised land“, von dem Haaretz-Journalisten und Friedensaktivisten Ari Shavit, der zugleich Urenkel eines Zionisten der ersten Stunde ist – sehr zu empfehlen.

Zunächst haben wir uns in der Nähe von Tel Aviv die größte Meerwasserentsalzungsanlage der Welt angesehen. Israel hat 2005 mit der Meerwasserentsalzung begonnen (der fliederfarbene Anteil der Säulen auf der Folie) und deckt inzwischen mehr als Zweidrittel seines Wasserbedarfs mithilfe dieser Technologie. Vielleicht ist das die Lösung für die Wasserversorgung im Nahen Osten, vor allem in Verbindung mit Erneuerbarer Energie.

Gefolgt von einem Besuch auf der Baustelle des Ashalim-Sonnenkraftwerks: wenn es fertig ist, eine 120-Megawatt-Anlage! Tausende von Spiegeln werfen das Licht der Wüstensonne auf einen Turm voller Wasser und bringen es so zum Kochen, dass mit dem Wasserdampf die Turbinen angetrieben werden. Geführt hat uns ein Berliner: der waschechte Kreuzberger Kevin Dalitz, der jetzt in Israel lebt und für den Energieversorger arbeitet, der das Kraftwerk baut. Absolut beeindruckend!

Der letzte Tag war fast vollständig dem Nahostkonflikt gewidmet. Bei Gesprächen in der Knesset wurde die israelische Sicht der Dinge zur Diskussion gestellt – u.a. von der Justizministerin Ayelet Shaked, mit der wir auch über das Sonderproblem des NGO-Transparenzgesetzes diskutiert haben, und vom Oppositionsführer Yair Lapid, einem Befürworter der Zwei-Staaten-Lösung. Danach ging es weiter zu Gesprächen mit drei jungen palästinensischen Nachwuchspolitikern in einem schönen Buchladen in Ost-Jerusalem, zum Abendessen mit dem palästinensischen Journalisten Khaled Abu Toameh und zum Abschluss nach Jericho im Westjordanland zum Generalsekretär der PLO, Saeb Erekat. Es gibt, glaube ich, wenige Betrachtungsweisen und Auffassungen, die wir nicht gehört haben. Großen Dank an Jardena Lande und das Nahost-Friedensforum für die Organisation und die reibungslose Abwicklung!