Kindeswohl ausschlaggebend: Wechselmodell kann vom Familiengericht angeordnet werden

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat gestern geurteilt, dass das sogenannte Wechselmodell vom Gesetz nicht ausgeschlossen ist. Familiengerichte können also künftig auch gegen den Willen des Ex-Partners anordnen, dass Kinder nach einer Trennung im gleichen Umfang von beiden Elternteilen betreut werden – vorausgesetzt, dass es in der jeweiligen Situation das Beste für das Kind ist.

„Ich freue mich, dass der BGH deutlich gemacht hat, dass es grundsätzlich möglich ist, dass sich beide Eltern nach einer Trennung zu gleichen Teilen um Kinder kümmern können. Kinder dürfen nicht zwischen die Stühle geraten und zu den Leidtragenden der Auseinandersetzungen ihrer Eltern werden“, erklärt der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu. Das Gericht hat deutlich betont, dass das Kindeswohl immer an erster Stelle stehen muss. Daher ist je nach Alter danach zu fragen, wie das Kind selbst leben möchte und sein Wille zu berücksichtigen.

Voraussetzung für das Wechselmodell ist, dass es Eltern noch möglich ist, miteinander zu reden. Ist das Verhältnis konfliktbehaftet und sind Vater und Mutter nicht in der Lage, Absprachen zu treffen, geht das Gericht davon aus, dass die Anordnung eines Wechselmodells nicht dem Interesse des Kindes dient.

„Durch das Urteil des BGH sieht sich die SPD-Bundestagsfraktion darin bestätigt, weiter an einer gesetzlichen Klarstellung zu arbeiten. Gesetzliche Regelungen müssen mit gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt halten“, so Felgentreu. Immer mehr Väter beteiligen sich aktiv an der Betreuung der Kinder und Mütter sind zunehmend berufstätig. Wenn sich die Eltern auch vor einer Trennung die Erwerbs- und Familienarbeit geteilt haben, sollte dies auch nach einer Trennung möglich sein.

Aktuell lebt der Großteil der getrennten Eltern das sogenannte Residenzmodell. In diesem Fall lebt das Kind nur bei einem Elternteil – meist der Mutter – und nur am Wochenende oder in den Ferien beim anderen Elternteil. Bezüglich des Wechselmodells gab es bei Gericht unterschiedliche Auffassungen darüber, ob es für die Anordnung eine Rechtsgrundlage im BGB gibt oder nicht. Eine entsprechende Klarstellung ist nun durch das BGH erfolgt.

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