Mauerweg-Wanderung und Eröffnung der alten Späthstraßenbrücke

Am 14. Mai war es soweit. Dieser Tag war nicht nur Muttertag, sondern auch der offizielle Tag des Wanderns. Zu diesem Anlass habe ich zusammen mit meinem Kollegen Matthias Schmidt (SPD) aus Treptow-Köpenick und dem Wanderverein 1. WV Stramme Wade e.V. Berlin zu einer Mauerweg-Wanderung zwischen Neukölln und Treptow eingeladen. Mit der Wanderung erinnerten wir an die 28-jährige Trennung der Bezirke Neukölln und Treptow durch die Berliner Mauer. Während der 15 Kilometer langen Strecke von Alt-Treptow bis Rudow haben wir an diversen (Bau-)Denkmälern, Erinnerungsstelen und Mauerresten Halt gemacht.

Drei Zeitzeugen haben dabei mit ihren persönlichen Erinnerungen die Geschichte der Mauer zwischen Neukölln und Treptow zum Leben erweckt: Harald Antrack, früher an der Grenze am Flutgraben für die DDR stationiert, erzählte am Wachturm Schlesischer Busch über seinen dortigen Dienst. Die beiden ehemaligen Bezirksbürgermeister von Neukölln und Treptow, Frank Bielka (1989-1991) und Günter Polauke (1986-1989) haben zudem ihr historisches Aufeinandertreffen an der Massantebrücke nachgestellt und viel über die bewegte Wendezeit und ihre ganz persönlichen Eindrücke berichtet. Die Massantebrücke, die die Stubenrauchstraße über den Teltowkanal führt, verbindet nun die lange Zeit getrennten Berliner Stadtteile Neukölln und Treptow. Unterwegs wurden zudem geschichtsträchtige Orte wie der Standort des früheren Grenzübergangs Sonnenallee und Mahnmale, die an Opfer des DDR-Grenzregimes erinnern, besucht.

Ein ganz besonderer Punkt war der Besuch der alten Späthstraßenbrücke. Hier ist ein Stück unvollendete Einheit manifestiert, die ich zusammen mit der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey aufbrechen möchte, um sie wieder für den Fuß- und Radverkehr freizugeben. Bis zur Teilung der Stadt verband die Brücke die beiden Ortsteile Britz und Baumschulenweg über den Teltowkanal. Seit der Öffnung der neuen Brücke ist sie funktionslos und zur Sackgasse geworden. Deshalb bemühe ich mich bereits seit Jahren um die Öffnung des technischen Denkmals für Fußgänger und Radfahrer. Leider zeigte der Bundesverkehrsminister und die zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) bisher kein Interesse an einer Wiedereröffnung, obwohl die Brücke baulich in einem guten Zustand ist. Ich möchte sie jedoch wieder öffnen, damit jedermann von dort aus über den Kanal zum Mauerweg gelangen kann, wo sich täglich viele Spaziergänger, Skater und Radler tummeln. Dafür werde ich mich weiter engagiert einsetzen.

Kurz vor dem Ziel ging es vorbei an den Resten der Hinterlandmauer Rudower Höhe, dem südlichsten Denkmal der Berliner Mauer. Nördlich der Rudower Höhe – einem 28 Meter hohen ehemaligen Trümmerberg, der bis 1958 auch als Müllkippe genutzt wurde – befinden sich Reste der Hinterlandmauer an ihrem originalen Standort. Durch die Lage im Außenbezirk stand mehr Raum für den Grenzstreifen zur Verfügung, der hier deutlich breiter ist als im Berliner Zentrum. Ihre letzte Station fand die Wanderung am Neuköllner Mauerkreuz zu Ehren der Mauertoten, das erst kürzlich durch das Neuköllner Bezirksamt an den Standort am Neudecker Weg 7 versetzt wurde – ein würdiges Ende für eine anstrengende, aber sehr abwechslungsreiche und lehrreiche Wanderung.

Presseüberblick:

  • 15. Mai 2017 Der Tagesspiegel „SPD will Späthbrücke wieder öffnen“
  • 14. Mai 2017 Der Tagesspiegel „Politiker fordern Öffnung der alten Späthbrücke“
  • 12. Mai 2017 Berliner Woche „Ein Stück unvollendete Einheit“: Bundestagsabgeordneter setzt sich für Öffnung der Späthstraßenbrücke ein
  • 22. Mai 2017 FACETTEN-Magazin Neukölln „Wandertag auf dem Mauerweg“