Organspende: Alternativen zur Entscheidungslösung

Umfragen zufolge stehen 81 % der Deutschen einer Organspende positiv gegenüber. Doch nur 36 % haben einen Organspendeausweis. 2017 wurden gerade einmal 797 Organspenden durchgeführt. Die Zahl ist seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig stehen 10.000 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation.

Im Bundestag wird heute diskutiert, wie die die Zahl der Organspenden erhöht werden kann. Wir führen heute eine erste „Orientierungsdebatte“ über Alternativen zur derzeitigen Entscheidungslösung in Deutschland. Es geht daher noch nicht um konkrete Gesetzentwürfe, sondern um einen ersten Gedankenaustausch zwischen den Fraktionen. Bei der Organspende-Lösung handelt es sich um eine ethische Frage, bei der es voraussichtlich unterschiedliche fraktionsübergreifende Gruppenanträge geben wird. Es gibt Abgeordnete, die eine Widerspruchslösung fordern, es gibt andere, die die jetzige Regelung beibehalten oder verändern wollen. Wie der Grafik und den Informationen zu entnehmen ist, führt die Widerspruchslösung nicht zwangsläufig zu mehr Organspendern oder einer höheren Bereitschaft, Organe zu spenden. Aber tendenziell ist die durchschnittliche Zahl der Organspender in den Ländern mit der Widerspruchslösung höher.

Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zum Thema gebildet und will mich mit allen Argumenten auseinandersetzen. In diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Überblick über die jetzige Situation und mögliche Änderungen geben. Und Ihre Meinung interessiert mich natürlich erst recht.

Zurzeit in Deutschland: Entscheidungslösung

Seit dem 01. November 2012 gilt in Deutschland die Entscheidungslösung. Mit diesem Gesetz soll die Organspendebereitschaft gefördert werden, damit mehr Patientinnen und Patienten die Chance auf ein Spenderorgan erhalten.

Was ist die Entscheidungslösung?

Alle Bürgerinnen und Bürger sollen in die Lage versetzt werden, sich mit dem Thema Organ- und Gewebespende auseinanderzusetzen, um eine informierte und unabhängige Entscheidung treffen zu können. Dafür erhält jede krankenversicherte Person ab dem vollendeten 16. Lebensjahr von ihrer Krankenkasse oder Versicherungsunternehmen regelmäßig Informationsmaterial. Um die persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende zu dokumentieren, enthalten die Versicherten den Organspendeausweis mit den Informationsmaterialien.

Eine Organspende ist in Deutschland nur unter streng geregelten Voraussetzungen möglich. Wichtige Bedingung ist, dass die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organ- und Gewebespende zugestimmt hat – beispielsweise auf einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung. Liegt keine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende vor, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person gefragt.

Quelle: https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/entscheidungsloesung

Alternativen

Widerspruchslösung

Hat die verstorbene Person einer Organspende zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, zum Beispiel in einem Widerspruchsregister, können Organe zur Transplantation entnommen werden. Die Widerspruchslösung gilt in Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, Polen, Portugal, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, der Türkei, Ungarn und Zypern.

Mit Einspruchsrecht: In einigen Ländern haben die Angehörigen das Recht einer Organentnahme bei der verstorbenen Person zu widersprechen, sollte keine Entscheidung der verstorbenen Person vorliegen. Die Widerspruchsregelung mit Einspruchsrecht der Angehörigen gilt in Belgien, Estland, Finnland, Litauen und Norwegen.

Zustimmungslösung

Bei der Zustimmungslösung können nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt hat. Liegt keine Zustimmung vor, dürfen keine Organe oder Gewebe entnommen werden.

Erweitert: Bei der erweiterten Zustimmungslösung müssen die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden, falls diese zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen und dokumentiert hat. Die erweiterte Zustimmungslösung gilt zum Beispiel in Dänemark, Griechenland, Großbritannien, Litauen, Rumänien und der Schweiz.

Quelle: https://www.organspende-info.de/infothek/gesetze/europa-regelungen


Weitere Infos zur Organspende und wie Sie spenden können erhalten Sie unter folgendem Weblink der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung:
https://www.organspende-info.de/