Debatte zur Neuregelung der Organspende: Meine Entscheidung für die doppelte Widerspruchslösung

Am 16. Januar 2020 stimmen wir im Deutschen Bundestag über zwei Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Organspende ab. Unser Ziel ist es, in Deutschland zukünftig mehr Menschen dafür zu gewinnen, dass sie sich als Organspender zur Verfügung stellen. Denn bisher warten viele schwer kranke Menschen sehr lange oder vergeblich auf ihr lebensrettendes Organ, obwohl die grundsätzliche Zustimmung zur Organspende hoch ist: In einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung gaben 84 Prozent der Befragten an, einer Organspende positiv gegenüberzustehen. Viel zu wenige entscheiden sich jedoch tatsächlich dafür, selbst Organspenderin oder Organspender zu werden, ihre Angehörigen davon in Kenntnis zu setzen und einen Organspenderausweis bei sich zu tragen.

Dies wollen wir dringend ändern. Wie es am besten gelingen kann, haben wir in den vergangenen Wochen intensiv diskutiert. Nun stehen zwei Gesetzentwürfe im Bundestag zur Entscheidung an.

Die darin formulierten Wege zur Erhöhung der Spenderzahlen unterscheiden sich deutlich:

Die doppelte Widerspruchsregelung sieht vor, dass zukünftig jede volljährige Person als Organspender angesehen wird, solange sie oder er nicht widerspricht. Alle Bürgerinnen und Bürger werden über die geänderte Rechtslage umfassend aufgeklärt. Widersprüche werden in einem zentralen Register dokumentiert.

Die Entscheidungsregelung setzt dagegen auf die regelmäßige Information und Befragung potenzieller Spenderinnen und Spender durch Behörden, Ärztinnen und Ärzte. Dies wird verbunden mit der Dokumentation ihrer jeweiligen Entscheidung in einem zentralen Register.

Ich werde für die Einführung der doppelten Widerspruchslösung stimmen. Denn die realisierten Organspenden sind weiter rückläufig, obwohl wir bereits vor einem Jahr mit dem „Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende“ Erkennungs- und Meldedefizite im Krankenhaus reduzieren konnten.

In Anbetracht dieser Situation finde ich es richtig und zielführend, mit der Widerspruchslösung jede und jeden in die Pflicht zu nehmen, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Wer nicht spenden will, muss dies auch eindeutig ausdrücken. Wenn kein Wille dokumentiert ist, werden die Angehörigen befragt, ob ihnen ein Widerspruch bekannt ist. Es gibt keine Pflicht zur Organspende. Aber durch die Widerspruchslösung entsteht ein sanfter Druck, dass wir uns alle dazu eine Meinung bilden. Ich finde: Da die allermeisten sich in der Not auch wünschen würden, ein Spenderorgan zu empfangen, ist dieser sanfte Druck zumutbar. Die Lösung praktizieren bereits die meisten Länder Europas.